Der eigentliche Grund, warum Unternehmen agil arbeiten sollten

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Es gibt ja viele Gründe, warum ein Unternehmen agil arbeiten sollte. Oft hört man Dinge wie „schneller werden“, „flexibler werden“, „besser werden“.Aber ein Grund sticht aus meiner Sicht weit heraus.

Eine Situation aus der betrieblichen Praxis: Im Rahmen einer Retrospektive werden tolle Maßnahmen durch das Team identifiziert. 
Und dann war es das. 
Es geht nichts voran. Das Team hat’s gesagt, irgendwer wird’s dann schon tun. Vieles ist ja eh’ nicht im Einflußbereich des Teams, „da können wir ohnehin nix machen“.  

Was steckt dahinter? 

Eine Möglichkeit: “Ich mache das, was mir gesagt wird.” Im Umkehrschluß: Wenn mir keiner was sagt, mache ich auch nichts. 

Eine andere Möglichkeit: „Wir wüßten schon, was sich ändern müsste, aber es wird sich nix ändern.“ 

Beides nicht wirklich toll. 

Wir werden ja bereits von klein auf so erzogen: In der Schule beispielsweise, wo der Lehrer Hausaufgaben verteilt, die die Schüler dann machen sollten. Dass es da leidlich funktioniert, liegt an den Sanktionen, die zu erwarten sind. Striche im Klassenbuch, Nachsitzen, Verweise. 

Der Mensch tickt aber eigentlich anders. Kleine Kinder haben einen Riesenspaß daran, Dinge zu entdecken. Warum wirft ein Baby gerne die Rassel vom Kinderstuhl und lässt Papa sie wieder aufheben? Darüber entdeckt es, dass wir Fallgesetze haben, eine Gravitation, Dinge von oben nach unten fallen, anstatt andersherum. Und sie finden’s lustig, wenn Papa zum 30. Mal das Ding hochbringt.
Natürlich hat das Kind noch keine Namen und kein Bewußtsein dafür, was da an physikalischen Formeln dahintersteckt. Aber die Wirkung kennt es in- und auswendig.  

Je älter die Kinder werden, desto weniger Möglichkeiten zum Experimentieren geben wir ihnen. Wir machen sie zu Konformisten. Selbst im Studium greift die Verschulung um sich – immer mehr Pflichtprogramm, immer weniger Raum für eigenes Denken und Handeln. 

Wen wundert’s dann, dass im Arbeitsleben dieses Verhalten breit gestreut ist? „Ich gehe früh rein und abends raus, und wenn ich dazwischen keinen Stress gehabt habe, war’s ein toller Arbeitstag.” 

Traurig. 

Sehr traurig. 

Und wenn wir uns klar machen, was durch diese Haltung, die wir den Menschen anerziehen und im Arbeitsleben in klassischen Organisationen manifestieren, den Menschen und den Unternehmen verloren geht, dann ist „traurig“ kein adäquater Begriff mehr. „Katastrophe“ träfe es deutlich besser. 

Das ist der eigentliche Kern des agilen Arbeitens: Menschen wieder dahin zu bringen, mit Freude zu arbeiten, sich ihrer eigenen Stärken bewußt zu werden, mutig nach vorne zu gehen, auszuprobieren, Fehler zu machen, aus den Fehlern zu lernen und damit immer besser zu werden, sich durch gemeinschaftliche Lösung von Problemen begeistern zu lassen. 

Scrum ist nur ein Mittel, wie man dorthin kommen kann. Scrum stellt noch lange nicht sicher, dass das auch wirklich gelingt. 

Ein Unternehmen, das zukünftig im Markt erfolgreich sein will, wird sich so verändern müssen, dass aus Angestellten und Mitarbeitern begeisterte Menschen und Teams werden.

Es ist längst bewiesen, dass Freude an der Arbeit, ein echtes Miteinander, herausfordernde Aufgaben wesentlich stärkere und dauerhaftere Motivatoren sind, als alle Bezahlmodelle und Incentives zusammen. 

Dies gelingt nicht durch „lasst uns ein bißchen Scrum machen“. Nicht durch „wir sind so besonders, da funktionieren solche Sachen nicht“. Nicht durch „wir haben so tolle Spezialisten, wir können keine cross-funktionalen Teams bilden.“ 

Das gelingt nur über Fokussierung, Loslassen, Strukturänderung, Menschlichkeit, Konsequenz. Durch echte, glaubwürdige und wirksame Veränderungen der Organisation. Durch eine Führung, die Rahmen setzt und Freiheiten läßt. Die Verantwortung läßt, aber auch einfordert. Die schützt und fördert. 

Beginnen Sie damit, Ihre Organisation zu ändern. Beginnen Sie damit, Ihrer Organisation die Chance zu geben, sich zu ändern. Beginnen Sie damit, Ihren Mitarbeitern die Chance zu geben, Ihre Organisation zu ändern.

 

(Photo by Nicole Honeywill on Unsplash)

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